Pauline barnhusen, taz – die tageszeitung, Interview, 2025

daria bona – Körper und Archiv: Zu Ramona Schachts PICTURES AS A PROMISE (p.a.a.p.), 2025

Der fragmentarische Blick, der sich durch Ramona Schachts Arbeiten zieht, verweist in seiner Ausschnitthaftigkeit auf die Brüche und Leerstellen der Geschichte: Biografien und -schicksale von Frauen, die ausgelassen wurden oder (noch) nicht ...  ↓

videointerview at folkwang museum essen, 2023

Matthias gründig – pictures as a promise (p.a.a.p.)

Unter dem Titel PICTURES AS A PROMISE verarbeitet Ramona Schacht historische Fotografien und Dokumente aus Leipzig und Kyiv, die Arbeiterinnen in der Baumwollproduktion darstellen. In ihrem ästhetischen Zugriff fragmentiert sie nicht allein .. ↓

Luca Bublik 2021 - Katalog

Momentaufnahmen.. ↓

Christoph Tannert – Fragment IV, 2019

Katalogtext zur Ausstellung "Preview. Fotografie von morgen. Leipzig"

Die zeitgenössische Auseinandersetzung um das fotografische Bild gestaltet sich bei Ramona Schacht als offenes Experimentierfeld. Nach wie vor spielt dabei der nackte Körper, insbesondere ... 

Luca Bublik – Liebe ist kein Zustand, 2018

Katalogtext zur Arbeit NOT ENOUGH, MdBK Leipzig (connect Leipzig)

Wenn Ramona Schacht gefragt wird, warum Menschen bereit sind, ihr Inneres zu zeigen, dann beschreibt sie Momentaufnahmen. Einen Kokon ein Stück weit zu öffnen, braucht für sie nichts an Handlungsanweisungen ...

Meike Krönke – Interview, 2018

Ausschnitte aus dem Vortrag vom 26.09.2018

"Die Bilder von Ramona Schacht sind verführerisch und direkt zugleich. In einer Verbindung von Licht, Körper und gezeigter Umgebung. Gezeigt wird nur, was wichtig ist, um eine Stimmung oder ..."

Luise Thieme – Zeit ist in Träumen sonderbar

Begleittext zur Arbeit und Publikation "Zeit ist in Träumen sonderbar"

Yannick hat eine Karte des Dorfes an seine Zimmerwand tapeziert. Er liebt diesen Ort. Die Markierungen der Karte kennzeichnen für ihn wichtige Plätze, wie das ...

Nora Bock – Schnelllebigkeit, Flexibilität, Veränderung, 2017

Schlagwörter die den Zeitgeist der jungen Generation erfassen wollen. Noch nie zuvor standen jungen Mensch so viele Möglichkeiten offen wie heute ...

Susanne Papenfuss – INteresse am Menschen, 2017

In Ramona Schachts Arbeiten spielt das menschliche Porträt schon seit ihrer Studienzeit eine wichtige Rolle. Sei es in der Zeichnung, Malerei oder in der Fotografie. Besonders eingeprägt sind S/W-Fotografien ...

daria bona – Körper und Archiv: Zu Ramona Schachts PICTURES AS A PROMISE (p.a.a.p.), 2025

Körper und Archiv: Zu Ramona Schachts PICTURES AS A PROMISE (p.a.a.p.) 


Resultate der eigenen Arbeit, die stolz in die Kamera gehalten werden; Blumen, die übergeben werden als Anerkennung für das Geleistete; Arme, die ineinander eingehakt werden zum Zeichen des Zusammenhalts. Einst im Kontext sozialistischer Propaganda entstanden, sind die Fotografien, die Arbeiterinnen verschiedener Baumwollspinnereien in Leipzig, Kyiv und Taschkent der 1950er-1960er Jahre zeigen, für Ramona Schacht Ausgangspunkt einer feministischen und fotografiekritischen Reflexion. In ihrer Serie p.a.a.p (PICTURES AS A PROMISE) eignet sie sich die archivarischen Praktiken des Auswählens, Anordnens und Interpretierens an, um diese zu durchbrechen und das fotografische Archiv als Ort der Repräsentation und Reproduktion patrilinearer Ordnungen zu entlarven. 
Durch das Isolieren einzelner Bildelemente greift Schacht in ihren Arbeiten in das historische Material ein und überführt es in neue Bedeutungszusammenhänge. Indem sie die Ausschnitte wiederum in Bildsektionen aneinanderreiht, wiederholt sie dabei nicht nur den patriarchalen Akt des Kategorisierens und Klassifizierens, sondern verdeutlicht den patriarchalen Blick und Zugriff auf die Frauenkörper, der sich in den sich wiederholenden Gesten und Haltungen verdichtet, legt diesen offen und dekonstruiert ihn. Dieser scheint die Textilarbeiterinnen festzuhalten, ihre repetitiven Arbeitsabläufe und -bewegungen zu dirigieren und inszenieren – und ihnen so eine bestimmte Funktion in dieser (Bild)Welt zuzuteilen. Gleichsam führt er uns an die Stellen und Momente, die in der Regel gar nicht großartig auffallen, und die nicht nur in den historischen Fotografien, sondern auch in der westlichen visuellen Kultur von heute allgegenwärtig sind und unsere Wahrnehmung des weiblich gelesenen Körpers mitbestimmen. Die sozialistischen Bilder zeigen „produktive“ Frauen als gemeinschaftsstiftendes Sinnbild: Ein Motiv, das in zahllosen Varianten in vielen Bildarchiven liegt und ein Narrativ abbildet, das bis in die turbokapitalistische Gegenwart reicht und Fragen aufwirft: nach der Rolle und Wertschätzung der von Frauen geleisteten Arbeit, nach Machtstrukturen und damit zusammenhängender Ungleichheit. Um der politischen Dimension dieser „Frauenkörper“ nachzugehen und eine Brücke in die Jetztzeit zu schlagen, nimmt Schacht auch die körperliche Dimension von Erinnerung in den Fokus: Wie schreiben sich Erfahrungen und Empfindungen in Körper ein? Inwiefern können diese generationsübergreifende Erinnerungen speichern? 
Der fragmentarische Blick, der sich durch Ramona Schachts Arbeiten zieht, verweist in seiner Ausschnitthaftigkeit auf die Brüche und Leerstellen der Geschichte: Biografien und -schicksale von Frauen, die ausgelassen wurden oder (noch) nicht geschrieben sind. Mit p.a.a.p entwirft sie ein Archiv aus neuen Kategorien, das an dieser Stelle ansetzt und zugleich als Erinnerungsort industrieller Frauenarbeit sowie Denkraum ihrer (Un)Sichtbarmachung fungiert. Dabei macht die Künstlerin das Archiv selbst als aktivierbaren und performativen Erinnerungskörper erfahrbar: Die Installation Archive of female work gleicht einem überdimensionierten Dia-Kasten (Slide-Box) und steht repräsentativ für die unzähligen Archivboxen, die sie im Zuge ihrer Recherchearbeit in den verschiedenen Archiven durchforstete. Sie enthält jeweils ein stellvertretendes Bild aus den einzelnen Sektionen und kann von den Besucher:innen bedient, die Bilder selbst hervorgezogen werden, um selbst die Rolle – oder den Körper – der Archivarin einzunehmen. P.a.a.p. entpuppt sich hier als Speicher, der fortlaufend um weitere Orte und Inhalte erweitert werden kann und einen neuen, übergreifenden und wachsenden „Gemeinschaftskörper“ formt. Damit hinterfragt die Werkgruppe nicht zuletzt auch die Funktion und die „Möglichkeitsformen“ fotografischer Archive, diese nicht allein als Orte der (Auf)Bewahrung von Vergangenheiten zu begreifen, sondern insbesondere als Orte der Umdeutung und Transformation für die Gegenwart.
In ihrer neuen Form propagieren die Archivbilder in erster Linie nicht mehr Zusammenhalt und Stärke einer sozialistischen Nation. Sie formieren eine neue visuelle These, die sich vielleicht sogar als Aufforderung verstehen lässt, eine feministische Haltung einzunehmen. So bilden sie nicht nur Stereotypisierungen und männliche Blicke ab, sondern vermitteln zwischen den Zeilen gleichermaßen ein Gefühl des Widerstands, des Aufbruchs und der Kraft: Ein neues Versprechen wird ablesbar. In gewisser Weise versucht Schachts Auseinandersetzung somit sowohl das „Schweigen“ der Archive, als auch der Fotografie selbst zu brechen. Die abgebildeten Frauen sind keine stummen Körper (Objekte) mehr, sie werden gemeinsam laut. In dieser neuen Präsenz macht p.a.a.p die abgebildeten Individuen und ihre Erfahrungen sicht- und hörbar – auch jenseits des Archivs.

Matthias gründig – pictures as a promise (p.a.a.p.), 2023

Katalogtext 14. Fotografie Förderpreis der Wüstenrot Stiftung

 

Unter dem Titel PICTURES AS A PROMISE verarbeitet Ramona Schacht historische Fotografien und Dokumente aus Leipzig und Kyiv, die Arbeiterinnen in der Baumwollproduktion darstellen. In ihrem ästhetischen Zugriff fragmentiert sie nicht allein die gefundenen Fotografien, sondern auch die darin dargestellten weiblichen Körper und erzeugt so immer wieder andere Spannungsverhältnisse zu den ursprünglich in den Aufnahmen angelegten Bedeutungen.

In ihrem Entstehungskontext waren die Fotografien dazu angelegt, die Werte und die Produktivkraft einer sozialistischen Gesellschaft zu dokumentieren und sie somit zu propagieren. Mit wiederum fotografischen Mitteln unterzieht Ramona Schacht das historische Versprechen dieser Fotografien auf eine progressive Gemeinschaft einer Revision: Durch mal mehr, mal weniger deutlichen Beschnitt verlagert sie die Aufmerksamkeit bewusst auf einzelne Bildteile, denen sie durch Skalierung und Rahmung einen autonomen Status einräumt. Von einer Ganzheit des Bildes wird der Blick so verlagert auf die Körper, Posen und Gesten der Arbeiterinnen, die teils entidivualisiert erscheinen, deren Individualität aber andermal lachend aus den Bildern herausbricht. Neben ihrer Bekleidung werden so gerade ihre Hände zu Protagonistinnen, die bei betont repräsentativen Feierlichkeiten klatschen, Orden anstecken, Blumen und Urkunden entgegennehmen, bei der schweren Arbeitsbedingungen aber besonders sanft erscheinen müssen. Es sind die selben Hände, die sich bei der Nebenfrau solidarisch einhenkeln und die Betrachter:innen ausgelassen zuprosten.

Die Arbeit PICTURES AS A PROMISE verhält sich zweifelnd zu ihrem Ausgangsmaterial, misstrauisch, aber nicht missgünstig. Sie stellt dessen Konstruiertheit zur Diskussion und problematisiert damit auch heutige Darstellungsweisen von und Blicke auf weibliche Körper. Zugleich aber zeugt sie auch von der eigenwilligen Ästhetik dieser propagandistischen Bildwelt und den Möglichkeiten, mit ihr produktiv umzugehen.

Christoph Tannert – Fragment IV, 2019

Katalogtext zur Ausstellung "Preview. Fotografie von morgen. Leipzig"

 

Die zeitgenössische Auseinandersetzung um das fotografische Bild gestaltet sich bei Ramona Schacht als offenes Experimentierfeld. Nach wie vor spielt dabei der nackte Körper, insbesondere eine Infragestellung des Bildes von weiblicher Nacktheit in der Werbung, den Medien, sowie im Internet eine deutlich sichtbare Rolle.

Ramona Schacht nutzt in ihrer aktuellen künstlerischen Arbeit den Wirklichkeitsausschnitt, das Körperteil und seine fotografische Abbildung in räumlicher Ausformung. Sie entwickelt Objekte, die eine als Fotoprint realisierte Oberfläche haben, aber als schlüssiges Beispiel einer expanded photography im Raum stehen – als Partikel einer heterogenen Lebenswelt. Das Fragment als Gestaltungselement unterstreicht die Suche der Künstlerin nach einem Prinzip, welches das als unzusammenhängend begriffene Dasein in der Gegenwart, Überbleibsel einer ursprünglichen Ganzheit, angemessen zur Anschauung bringt. 

 

Darüberhinaus thematisiert Schacht die Wahrnehmung des weiblichen Körpers durch das menschliche Gehirn, das, wenig politisch korrekt, Frauen anhand von Körperausschnitten eher wiedererkennt, als anhand ihres ganzen Körpers. Sie nutzt das scheinbar Auseinandergebrochene, um die Normierung unseres Blicks zu irritieren. Ihr analytisches Interesse gilt, im Dialog mit ihren Modellen und BetrachterInnen vorgenommenen Körpereroberung, nicht vordergründig den einzelnen Ansichten und Teilstücken des Körpers, viel eher den verborgenen Kräften, die das Auseinanderstrebende zusammenhalten, die einen positiven Kontakt zu einem menschlichen Gegenüber herstellen.

 

Luca Bublik – Liebe ist kein Zustand, 2018

 

Katalogtext zur Arbeit NOT ENOUGH, MdBK Leipzig (connect Leipzig)

 

Wenn Ramona Schacht gefragt wird, warum Menschen bereit sind, ihr Inneres zu zeigen, dann beschreibt sie Momentaufnahmen. Einen Kokon ein Stück weit zu öffnen, braucht für sie nichts an Handlungsanweisungen, sondern die Fähigkeit der Künstlerin eine konstruktive Angst auch im Bild festhalten zu wollen. Wie produktiv dies dann werden kann, zeigt ihre Arbeit NOT ENOUGH. Ramona Schacht versucht mit diesen Fotografien gar nicht erst dem Publikum ein ganzheitliches Lösungsangebot zu machen.

Für NOT ENOUGH hat sie polyamorös lebende Paare fotografiert und ist mit der beobachtende Position der Kamera Teil der Fluchtbewegung der jeweiligen Situation geworden. Eingefrorene Momente aufgeriebener Haut, das Gefühl von Nähe und der Blick auf fragile Körperausschnitte – so zeigt sie Intimität. Eindrücke also, die kurz auftauchen und die wir oft nur an unserem Gegenüber erkennen können. Um das einzufangen, wird Bewegungsunschärfe das wichtigste bildästhetisches Mittel ihrer Arbeit. Intimität und Liebe bleiben so Eigentum der Abgebildeten wie Betrachtenden und ermöglicht damit ein Sinnpotential, das sich zu keiner Zeit erschöpft.

Meike Krönke – Interview, 2018

 

Ausschnitte aus dem Vortrag vom 26.09.2018

 

„Die Bilder von Ramona Schacht sind verführerisch und direkt zugleich. In einer Verbindung von Licht, Körper und gezeigter Umgebung. Gezeigt wird nur, was wichtig ist, um eine Stimmung oder Begegnung im Bild zu verstehen. Dabei stellt sie in ihren Aufnahmen eine Atmosphäre her, die Leichtigkeit und Stille vermittelt, während sie den Betrachter_innen ein begrenztes Blickfeld zuweist.“ Meike Kröncke

 

Ramona Schacht: Intensive Liebesgefühle sind für mich immer auch verbunden mit der Angst zurückgelassen zu werden, einer Enttäuschung und dem dann mit mir allein zu sein. Aber auch mit Gefühlen einer unbeschreibbaren Nähe und einer Offenbarung seinem Gegenüber. Doch, wenn ich es besser in Worte fassen könnte, würde ich mir auch nicht die Mühe machen es mit Fotografie auszudrücken.

 

„Eine paradoxe Gleichzeitigkeit von voyeuristischer Seherfahrung und Atmosphäre – so etwa ließe sich meine erste Wahrnehmung der Bilder beschreiben. Die Aufnahmen sind in ihrem Aufbau entweder als Ansichten oder als Aufsichten konzipiert, die einen Ausschnitt des Körpers, der nackt oder nahezu nackt ist, zeigen. Nicht aber die Person. Auch Gesichter werden nicht gezeigt. Oder sie werden dort, wo sie mit im Bild sind, abgewendet.“ Meike Kröncke

 

Ramona Schacht: Im Wesentlichen geht es um die Intimsphäre, die sich zwischen mir und den Porträtierten während des Aktes des Fotografierens entwickelt. Der Blick auf die Nacktheit ist aber natürlich ein Punkt, den ich auch hinterfrage. Der nackte Körper ist für mich auch Teil einer Beziehung, ein sich offen zeigen, verletzlich machen in seinem Gegenüber. Eine Hand, die über eine nackte Brust oder ein Bein streicht ist, etwas entscheidend anderes wie eine Hand, die auf einem Pullover aufliegt. Wenn ich Menschen in ihrer Nacktheit treffe und aufnehme, dann sind wir uns nah und deutlich. Damit verbunden ist auch meine Überzeugung, dass die Betrachtenden durch ihren Blick viel über mich erfahren. Sie sehen was mich interessiert, was mich berührt.

Nora Bock – Schnelllebigkeit, Flexibilität, Veränderung, 2017

Schlagwörter die den Zeitgeist der jungen Generation erfassen wollen. Noch nie zuvor standen jungen Menschen so viele Möglichkeiten offen wie heute.

Über Millennials, liest man häufig Artikel, die paradoxerweise  Arbeitsscheue und Unentschlossenheit beklagen, ebenso wie  Karrierefixierung und den Drang zur Selbstoptimierung. Was macht das mit unseren zwischenmenschlichen Miteinander?
Das ist die Ausgangsfrage die sich Schacht in ihrer Arbeit stellt.
Sie beobachtet und ergründet, wie zwischenmenschliches Leben konkret gelebt wird in Partnerschaften und in der Gemeinschaft, welche Veränderungen es in unserem Zusammenleben gibt und wie diese von digitaler Kommunikation geprägt sind.
In ihrer Fotografie arbeitet Schacht vor allem mit Porträts in denen sie zwischenmenschliche Nähe untersucht, wie in ihrer Serie JONA. Hier stellt Sie die Frage, in wieweit wir bereit sind Intimität zu offenbaren und wie sich diese in der Fotografie zeigen lässt.  So wird der fotografische Prozess zu einem Miteinander, indem sich ihrer voyeuristische Position als Fotografin auflöst.
Beziehungen und Formen des Zusammenlebens werden in ihrer Serien IT DEPENDS und "Zeit ist in Träumen sonderbar" oder ihrer Videoarbeit LET'S NOTE thematisiert.
Schacht arbeitet meist mit Fotografie, Video oder Installation, die aus ihren Fotografien hervorgehen, diese entstehen sowohl analog als auch digital.
Ihre Werke lässt sie sich in ihren Ausstellungspräsentationen gegenseitig kommentieren, bringt die Arbeiten in immer wieder neue Kontexte miteinander und schafft eine Gegenüberstellung der unterschiedlichen Themen ihrer Werke.
Formal arbeitet sie oft mit den gleichen Motiven in unterschiedlichen Formaten und hängt gerahmte Fotografien neben tapezierte oder mit Clips befestigt an die Wand. Damit schafft sie auch innerhalb einer Arbeit eine Gegenüberstellung der einzelnen Fotografien, die den Betrachter zu einer intensiveren und differenzierten Auseinandersetzung anregen.


Ramona Schachts ältere Fotoserien, zeigen Arbeiterporträts bei denen Sie die Mensch von außen in ihrem Arbeitsumfeld wahrgenommen hat. Ihre aktuellen Arbeiten haben nun eine deutlichen Fokus auf intimere Situationen und die Dokumentation zwischenmenschlicher Beziehungen und Lebensweisen.
Ihre Position als Fotografin hat sich dabei weg von einer voyeuristischen Beobachterin, hinzu einem wichtigen konzeptionellen Element ihrer Fotografie entwickelt, bei dem Sie  Teil der Intimsphäre ihrer Modelle wird.

Luise Thieme – Zeit ist in Träumen sonderbar

Begleittext zur Arbeit und Publikation "Zeit ist in Träumen sonderbar"

 

Yannick hat eine Karte des Dorfes an seine Zimmerwand tapeziert. Er liebt diesen Ort.

Die Markierungen der Karte kennzeichnen für ihn wichtige Plätze, wie das Baumhaus, das er mit Freunden in seiner Jugend gebaut hat. Ein anderer Punkt markiert den Ort, an dem er selbst bald sein eigenes Haus errichten möchte.

 

Nah und fern.

Ein kleines französisches Dorf, an der Seine, wenige Kilometer vor Paris gelegen, in dem das Leben wie nach einer selbstgewählten Zeit verläuft. Der Ort ist eingebettet in eine Landschaft aus Wäldern, Wiesen und Seen, mit der permanenten Wolke eines Atom- kraftwerks am Horizont.

In der Sommerhitze der Dorfstraße verfolgt die Fo- tografin als Schatten die Personen des Dorfes und erspürt mit ihnen den Ort, Momente und Geschichten. Ihre Fotografien widmen sich den Räumen und Gegenständen des alltäglichen Lebens. Dinge aus verschiedenen Zeiten stapeln sich in der intimen Umgebung der Innenräume. Das Alte, das vom Verlassensein erzählen könnte, wird beobachtet, als würde eine Ahnung des Zukünftigen darin schlummern.

Im Wechsel von Tagen und Nächten, von Innen und Außen dehnt sich die Zeit aus, lässt Freiräume für die eigenen Gedanken entstehen.

Die Porträts erzählen von Momenten der Nähe. Trotzdem entziehen sich die Personen dem vollständigen Erkennen. Was sie bewegt und beschäftigt, entsteht in der Imagination und im Zusammenspiel mit den Bildern des Dorfes.

Die Geste der Hand verdeckt das Gesicht, offenbart nur den schelmischen Blick. Während der gemeinsamen Fahrt mit dem Boot sind die Augen im Zwinkern geschlossen. Der Moment ist intim und geheimnisvoll zugleich, denn es gibt an diesem Ort einen imaginativen Raum, der dem Individuum gehört.

 

Stille dazwischen und Natur.

Aufnahmen der Landschaften und Innenräume lenken den Blick auf das Dazwischen. Im Nebel erscheinen die Landschaften in einer zeitlosen poetischen Ruhe. Die umgebende Natur bildet den Rahmen für den Ort. Selbst die atomare Wolke ist verzaubert, beeindruckend und bedrohlich in einem. Alles kann von mindestens zwei Seiten aus betrachtet werden.

Susanne Papenfuss – INteresse am Menschen, 2017

In Ramona Schachts Arbeiten spielt das menschliche Porträt schon seit ihrer Studienzeit eine wichtige Rolle. Sei es in der Zeichnung, Malerei oder in der Fotografie. Besonders eingeprägt sind S/W-Fotografien aus den Serien "Menschenbilder" oder "Horst kommt", in den sie Personen in ihrem Arbeitsumfeld und ihrer landschaftlichen Verwurzelung zeigt. Sie sind berührend, nah, ohne Schnickschnack, aber mit tiefem Einblick in das Lebenswerk der Porträtierten, das sich in ihren in die Kamera blickenden Gesichtern und der sie umfassenden Szenerie zeigt. Nach ihrem Wechsel nach Halle und dann nach Leipzig haben sich ihre Fotografien verändert: es gibt nicht mehr ausschließlich Einzelporträts, die Bewegung wird Bildelement, sie konzentriert sich auf die Farbfotografie und verwendet z. T. deutlich größere Formate. Die Fotografien zeigen nun ihr Interesse am Menschen als soziales Wesen, Nutzung, die Abkehr von der vielleicht zu starr konservierenden S/W-Fotografie und die Bewegungsunschärfe als zulässiger Teil des Dokumentierens und als bildästhetisches Moment. Ramona Schacht untersucht fotografisch Themen ihrer Generation, die auch „Generation Maybe“ genannt wird. Einsamkeit wird sichtbar, Unverbindlichkeit, Offenheit. Sie weist auf Beziehungsmodelle hin, die das Zusammenleben neu ausrichten, menschliche Möglichkeiten aber auch herausfordern. In den Serien wie „Die Selbstverwaltung des Begehrens I und II“ oder „Jona“, Arbeiten aus letztgenannter Serie sind hier zu sehen, zeigt sie nicht mehr das idealisierte, auf das Gesicht konzentrierte, möglichst auf die Kamera frontal ausgerichtete Porträt in einer repräsentativen Umgebung. Es geht mehr um Kehrseiten, Häuslichkeiten, Intimität. Ihre Protagonisten werden aus allen Winkel aufgenommen, im Ganzkörperporträt sichtbar oder ungewöhnlich angeschnitten. Während ihrer Aufnahmen leuchtet sie ihre Modelle nicht aus, sie schafft eine vertraute Atmosphäre, sie dokumentiert sie in einer häuslichen Umgebung, lässt Intimität und Schamgrenzen zu. In der Ausstellungspräsentation hängt Ramona Schacht zuweilen ein und dasselbe Motiv im Großformat neben ein Standardformat, um auch die Erwartungshaltung des Betrachters an das Zusammenspiel von Inhalt/Grad der Intimität und einer Angemessenheit der Bildgröße zu hinterfragen.